Schlehe

Das Anthroposophische Menschenbild

Grundlegendes zum Verständnis einer anthroposophisch erweiterten Medizin

Was ist eigentlich das Besondere einer anthroposophischen Medizin, auf der auch die Arzneimittel und Kosmetik der WALA Heilmittel GmbH gegründet sind, die hier vorgestellt werden?

Exakt formuliert handelt es sich um die Ergänzung der modernen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin ("Schulmedizin") um den seelisch-geistigen Anteil des Menschen und der Natur. Wir können auch von einer Spiritualisierung der modernen Medizin durch die Anthroposophie sprechen. Die moderne Medizin betrachtet mit ihrer Wissenschaft ausschließlich den menschlichen Körper von seiner stofflich-organischen Seite da, wo er messbar und wägbar ist, d.h. mit naturwissenschaftlichen Methoden exakt und reproduzierbar erfasst werden kann. Das Ziel dabei ist, nur die objektivierbaren Anteile des Menschseins als für die Medizin wissenschaftlich zugänglich zu akzeptieren. Nun ist es aber eine Lebenstatsache, dass der Mensch auch eine höchst subjektive Seite hat, die sogar als ganz individuell bezeichnet werden muss.

Anthroposophie versteht den Menschen als komplexe Einheit von Leib, Seele und Geist. Der für die Medizin primär wichtige leibliche Anteil wird von Seele und Geist ("Ich") durchdrungen.

Der Stoffleib

Die objektive Ebene des Leibes, sein stofflicher Anteil, findet sich am deutlichsten in der Gestalt und in der Zusammensetzung der Organe und Organsysteme. Zu letzteren zählen beispielsweise die Muskulatur, das Zentralnervensystem oder auch das Blut. Der feingewebliche (histologische) Befund, die im Labor messbaren Bestandteile von Blut oder Sekreten, die durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Kernspin- und Computertomographie oder die durch Röntgendiagnostik darstellbaren Strukturen - sie ergeben die Summe aller heute verfügbaren Befunde, die durchaus als objektiv bezeichnet werden können. Dennoch sind sie letztlich nur Momentaufnahmen, da sie die zeitlichen Abläufe nicht wiedergeben. Diese Befunde sind jedoch nicht nur Ausdruck statischer Vorgänge, sondern überwiegend dynamischer Natur. Der Blutzucker z.B. verändert sich ständig im Tageslauf in Abhängigkeit äußerer und innerer Faktoren und kann sinnvoll nur als ein Tagesprofil vieler einzelner solcher Befunde bewertet werden. Auch Cholesterin und Eisen im Blut sind keinesfalls über längere Zeit stabile Befunde, sondern einem ständigen Wechsel unterworfen. Deshalb sprechen wir auch von dem Stoffwechsel.

Der Lebensleib

In diesen Stoffwechsel greifen aber bereits Kräfte ein, die nicht mehr sinnlich anschaubar oder exakt messbar sind. Sie äußern sich in den Organfunktionen. Zu der Befundebene des Leibes kommt nun die funktionale Ebene hinzu, die anteilsmäßig auch messbar, überwiegend aber nur in ihren Abläufen beobachtbar ist und die bereits sehr subjektive Züge erkennen lässt. Die anthroposophische Erkenntnis zeigt, dass dieser Leibesebene das Leben zugrunde liegt, welches sich streng naturwissenschaftlichen Nachweismethoden entzieht. Sein Ausdruck im Leib ist unser Befinden. Schon hier ist eine erste Ergänzung der modernen Medizin erkennbar, da zu der objektiven Ebene der Befunde die subjektive des Befindens hinzutritt, welche längere Zeit von der Medizin sträflich vernachlässigt wurde. Gerade in den letzten Jahren aber wird das Bewusstsein immer mehr dafür geschärft, dass eine Medizin, die im Verständnis von Krankheiten und ihrer Therapie das Befinden des Patienten ignoriert, keine dem Menschsein gerecht werdende Medizin ist. Deshalb wird auch immer häufiger danach gefragt, ob durch bestimmte Therapien oder Arzneimittel die Lebensqualität positiv oder negativ beeinflusst wird.

Am Leib können wir durch die richtige Beobachtung und eine anthroposophische Erkenntnismethode noch zwei weitere Ebenen entdecken:

  • die seelisch-leibliche als eigentlichen Ort der Psychosomatik
  • die geistig-individuelle, die jeden Leib bis in seine stoffliche Seite, z.B. die Eiweißstruktur hinein einzigartig sein lässt

Der Seelenleib

Den Bereich im Leib, in welchem Seele (Empfindung) und Leib so durchdrungen sind, dass sie eine feinstoffliche Einheit bilden, können wir den Seelenleib nennen, so wie die ersten beiden Ebenen als Stoff- bzw. Lebensleib bezeichnet werden. Diese seelisch-leibliche Ebene finden wir besonders in der Gestaltung der endokrinen Organe und im Immunsystem. Es ist bedeutsam, dass hier mit außerordentlich feinen Stoffmengen größte Effekte erzielt werden. Die Messgröße beispielsweise des Hormons Insulin liegt im Nanogrammbereich, d.h. Milliardstelgramm, eine sinnlich nicht vorstellbare winzige Menge, die dennoch mit modernsten Messmethoden objektiv nachweisbar ist. Und von welcher wesentlichen Bedeutung ist Insulin für den menschlichen Organismus! Ähnliches gilt auch für andere Hormone, die in millionstel bis billionstel Gramm im Körper wirken (entspricht im potenzierten Heilmittel einer D6-D12). Im Immunsystem finden wir die gleichen feinststofflichen Wirkungen z.B. von Immunmodulatoren wie den Zytokinen. Auch die Immunzellen selbst (Lymphozyten, Plasmazellen) müssen wir uns als einzelne Zelle mikroskopisch klein denken. Aus dieser Leibesebene stammen alle Körper-Regulationen, sie ist der funktionalen Ebene übergeordnet. Erlebbar wird sie in unseren Stimmungen oder der Gestimmtheit. Dieser Begriff ist nicht zufällig ein musikalischer, denn im menschlichen Seelenleib herrschen ähnliche Gesetze wie in der Musik. Dass unsere Gestimmtheit als Ausdruck vielfältiger Stimmungen eine große Bedeutung für uns hat, kann eigentlich nicht bezweifelt werden. Das wird schon dann klar, wenn es zu Verstimmungenkommt.

Der Ich-Leib

Die vierte und höchste Ebene des Leibes ist seine Ich-Ebene, sie wird auch als Ich-Leib oder Ich-Organisation bezeichnet. Sie entzieht sich praktisch aller sinnlichen Anschauung, äußert sich aber erlebbar und auch wahrnehmbar in der Wärme unseres Körpers. Deshalb wird auch von einem eigenen Wärmeorganismus gesprochen. Ein Abdruck von ihm ist unsere messbare Körpertemperatur. Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass auch die Ich-Ebene sich bis in die stoffliche auswirkt, sodass auch diese ganz individuell und damit "einmalig" ausgebildet wird. Der Beweis hierfür wurde durch die Transplantationsmedizin erbracht. Jeder Organismus erkennt an der Eiweißstruktur eines Organs, ob dieses sein eigenes oder ein fremdes ist. Letzteres wird sofort von dem intakten Immun-(Abwehr-)System bekämpft und möglichst abgestoßen. Die Ebene des Ich-Leibs äußert sich in unserer geistig-leiblichen Präsenz, die wir auch als Geistesgegenwart bezeichnen können, was im Ideal bedeuten würde, in jedem Augenblick unseres Lebens stets wach und geistig anwesend zu sein. Von der Ich-Ebene stammen alle den Organismus über- und durchgreifenden Steuerungen, sie ist allen anderen Ebenen übergeordnet, von ihr gehen letztlich alle gesunden Vorgänge im Organismus aus. Die heute oft spekulativ gedachte Selbststeuerung von Organen ist richtig benannt, steuert doch unser Selbst (Ich) alle Organe und Organisationen des Organismus. Man verkennt aber diesen Organismus, wenn man in Selbststeuerungssystemen eine der Technik entsprechende Automatik sieht.

Das Zusammenspiel der Wesensglieder

Unser Geist erkennt sich an seinem Leib, der wie ein Spiegel für ihn ist, durch den Selbsterkenntnis möglich wird. Menschliche Gesundheit setzt also ein richtiges Verhältnis von Geist und Leib voraus. Dieses wird ständig von der zwischen Leib und Geist vermittelnden Seele gezeugt, es ist nie stabil, immer dynamisch. Ihren Ausdruck findet diese Dualität z.B. in unserer Atmung, wobei sich in der Einatmung Seele und Geist dem Leibe zuwenden, in der Ausatmung der Leib beide wieder entlässt. Der ganze Organismus Mensch, wirklichkeitsgemäß erfasst, erweist sich als ein durchaus kompliziertes Gebilde. Die geschilderten vier Ebenen und Bereiche unseres Leibes nannte Rudolf Steiner (1861-1925), der Begründer der Anthroposophie, die Wesensglieder und bezeichnete sie als physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Das ist dann erst der ganze Mensch, den wir nun aber noch hineingestellt sehen müssen in die Zeit und die mit ihr verbundene Evolution, z.B. das Menschsein als Kind, Jugendlicher, Erwachsener oder Greis, die Zeitspanne von Geburt bis zum Tod (Biographie) und die Fragen nach vorgeburtlicher und nachtodlicher Existenz.

Mensch
Leib
Stoffleib Gestalt Befunde
Lebensleib Funktion Befinden
Seelenleib Regulation Gestimmtheit
Ich-Leib Steuerung Präsenz

Arzneimittel aus der Natur für den Menschen

Welche Beziehung besteht nun zwischen dem Menschen und der Natur? Was ist die Besonderheit der Arzneimittel, die aus der Natur für den Menschen gewonnen und hergestellt werden?

Blickt man sehr weit in die Vergangenheit zurück, trifft man auf gemeinsame Entwicklungsschritte von Natur und Mensch. Während der Mensch in seiner Evolution immer mehr aufstieg, bleiben die Naturreiche in ihrer Entwicklung zurück. Der Mensch verdankt seine Entwicklung diesem Zurückbleiben der Natur. Er schuldet ihr dafür Dank und muss ihr zukünftig zu ihrer weiteren Entwicklung verhelfen. Ein Aspekt hierzu ist, dass er durch die pharmazeutischen Prozesse aus einem Naturstoff ein Arzneimittel bildet. Als solches tritt es in eine innere Beziehung zum menschlichen Organismus und hilft diesem, eine in ihm vorhandene Krankheit zu heilen. Dabei hat das Mineralreich eine direkte Verbindung zum Ich-Leib, das Pflanzenreich zum Seelenleib, tierische Substanzen zum Lebensleib. Durch Arzneimittel-Kompositionen kann gleichzeitig auf die verschiedenen Ebenen des Menschen eingewirkt werden, deren gesundes Verhältnis für den jeweiligen Ort im Organismus wieder hergestellt wird. Solche Arzneimittel arbeiten mit den körpereigenen Funktionen, Regulationen und Steuerungsvorgängen zusammen. Sie fördern sie oder regen sie an, sie wirken dämpfend, wenn sie zu stark tätig geworden sind. Dadurch wird verständlich, weshalb die unerwünschten Wirkungen (sog. Nebenwirkungen) bei ihnen viel seltener vorkommen und vor allem weniger schwerwiegend sind als bei chemisch-synthetischen Medikamenten, die überwiegend gegen die körpereigenen Vorgänge gerichtet sind (z.B. Antihypertonika, Antiarrhythmika). Das heißt nun aber nicht, dass Naturarzneimittel keine unerwünschten Wirkungen auslösen könnten.

Schon Paracelsus wusste, dass die therapeutische Wirksamkeit einer Arznei von der richtigen Dosis abhängt. Das gründliche Durchschauen einer Krankheit im Menschen und die daraus abgeleitete Arznei zeichnet eine zukünftige Medizin aus, die dann wieder zur Heilkunst werden kann. In der anthroposophisch ergänzten Medizin gibt es für typische Krankheiten auch typische Heilmittel - sozusagen Basis-Therapeutika - aber grundsätzlich wird jede Krankheit individuell behandelt, weil sie durch den Menschen, der sie in sich trägt, individuell wird.

Bei Krankheiten werden oft gesunde Vorgänge an Orte im Organismus verlagert, wo sie nicht hingehören, z.B. treten Sklerosevorgänge in den Blutgefäßen auf, die nur im Skelett richtig wären. Oder sie sind am richtigen Ort zu stark oder zu schwach geworden oder treten schließlich zu einer Zeit auf, wo sie nicht angebracht sind. So können bestimmte Verhärtungstendenzen, die im Alter physiologisch sind, in der Kindheit krankhaft auftreten. Es sind überwiegend innere Ursachen, die Krankheiten entstehen lassen, selten rein äußere. Deshalb sprach man früher auch von dem Milieu eines Organismus, das erst einer Krankheit die Chance gibt, sich einzunisten ("Der Erreger ist nichts, das Milieu alles"). Es nützt nichts, den Erreger zu töten, wenn nicht das Milieu gesundet wird. Krankheit - so verstanden - ist immer Frage an uns, und Heilen bedeutet, die richtige Antwort zu finden, die z.B. als Arzneimittel gegeben wird.

Eine durch Anthroposophie erweiterte, d.h. auch wieder zur Ganzheit strebende Medizin wird zu einem immer umfassenderen Verständnis von Gesundheit und Krankheit führen und uns helfen, die für den Organismus richtige Therapie zu finden. Sie wird uns auch begreifen lassen, dass von echter Heilung nur gesprochen werden kann, wenn eine Krankheit nicht einfach vertrieben und z.B. in eine andere leibliche Ebene verdrängt, sondern überwunden und zu einer neuen Fähigkeit verwandelt wird. Dazu muss aber der Mensch, der die Krankheit in sich trägt, einen eigenen aktiven Anteil leisten.