Winter
WALA Arzneimittel

Zeit der Ruhe: der Winter

Im Winter wird der Boden von einer frostigen Schicht bedeckt. Menschen, Tiere und Pflanzen in unserem Heilpflanzengarten ziehen sich nun zurück. Eine ganz besondere Stimmung, die sich auch auf die Gartenarbeiten auswirkt: Alles geht jetzt etwas ruhiger von der Hand.

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Vorhang auf für den Winter

Wie die Balance zwischen Rückblick und noch anstehenden Arbeiten gelingt? Bernhard Ehrmann, Leiter WALA Heilpflanzengarten, und Sven Hahn, Gärtner im WALA Heilpflanzengarten, nehmen Sie mit in eine Zeit der Kälte und des Zusammenhalts.

«Im Winter ziehen wir uns ein Stück weit zurück.»

Bernhard Ehrmann, Leiter WALA Heilpflanzengarten

Welche Gartenarbeiten stehen im Winter an?

Team-Besprechungen

Im Winter nehmen sich unsere Gärtnerinnen und Gärtner Zeit, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und das Folgejahr vorzubereiten: Welche Ernten sind gut gelaufen? Wie sieht die Beetplanung aus? Jetzt ist auch die Zeit, Büroarbeiten anzugehen und Schulungen zu absolvieren. Sicherlich keine klassischen Gartenarbeiten, sie gehören aber genauso dazu.

Wildbienen-Nisthilfen bauen

In unserem Heilpflanzengarten achten wir auf ein gesundes Ökosystem, in dem Natur, Mensch und Tiere harmonisch zusammenleben. Die Wildbienen liegen unseren Gärtnerinnen und Gärtnern sehr am Herzen, denn sie sind wichtige Bestäuber und erhalten die Artenvielfalt.

Wildbienen-Nisthilfen unterstützen die fleissigen Tiere und bieten eine Möglichkeit für kreatives Basteln: Die Bohrlöcher können in frei gestaltbaren Mustern gesetzt werden. Die schönen Nisthilfen sind richtige Hingucker in unserem Heilpflanzengarten und entlang unseres Biodiversitätspfads, mittlerweile sind es rund 45 Stück.

Beete umgraben

Der Boden hat für unsere Heilpflanzen und damit auch für unsere Arzneimittel eine grosse Bedeutung: Gesunder Boden ermöglicht gesundes Wachstum und qualitativ hochwertige Heilpflanzen. Gleichzeitig ist er die Basis für eine harmonische Kreislaufwirtschaft. Deshalb wird er auch im Winter gut gepflegt.

Jetzt bildet sich eine sogenannte «Frostgare». Das bedeutet, dass der Frost durch die Feuchtigkeit im Boden die groben Erdschollen gesprengt hat. Damit der Boden für das Frühjahr gut vorbereitet ist, wird er im Winter umgegraben. Dadurch wird die Durchlüftung verbessert, Staunässe reduziert und die Wasseraufnahmefähigkeit erhöht.

Werkzeugpflege

Im Winter stehen für unsere Gärtnerinnen und Gärtner ein paar Arbeiten an, die wichtig für den Start ins neue Gartenjahr sind. Scheren werden geschliffen und repariert, manchmal werden Einzelteile ausgetauscht. Da im Heilpflanzengarten viel Handarbeit eingesetzt wird, sind die Werkzeuge eine wichtige Grundausstattung für die tägliche Arbeit. Dank der Pflege ist das Werkzeug lange im Einsatz.

Wurzeln ernten und waschen

Winterzeit ist Wurzelerntezeit – jetzt wird unter anderem auch die Wurzel des Blauen Eisenhuts (Aconitum napellus) geerntet. Dafür behalten unsere Gärtner:innen den Wetterbericht den gesamten Winter über gut im Auge, da sie den Boden und die Wurzeln gegebenenfalls mit einem Vlies vor Frost schützen müssen. Auch das Ausgraben gestaltet sich bei Bodenfrost schwierig. Bei der Ernte werden ausschliesslich die jüngeren Tochterknollen geerntet. Die älteren Mutterknollen haben im vorherigen Sommer geblüht und sind zu diesem Zeitpunkt schon vergangen. Nach dem Ausgraben wird die Erde am Beet grob abgeklopft. Die Knollen werden anschliessend zum Gewächshaus gebracht und dort gewaschen und gewogen. Sorgfältig werden faule Stellen und schlechte Wurzeln entfernt und es wird noch mal mit Wasser nachgewaschen. Anschliessend werden die Knollen in einem Korb zum Pflanzenlabor gebracht.

Heckenrückschnitt

Der Heckenrückschnitt ist eine weitere wichtige Arbeit in unserem Heilpflanzengarten. Mit der Astschere lassen sich überstehende Zweige leicht entfernen, sodass die Hecke gepflegt bleibt und Zäune nicht beschädigt werden. Besonders wertvoll sind Mischhecken. Eine unserer Mischhecken zum Beispiel besteht aus Hibiskus, Rosen, Weissdorn und Sanddorn: Sie fördert die Biodiversität, bietet Vögeln Beeren als Nahrung und dient ihnen als Platz zum Nestbau. Gleichzeitig kann die Hecke als Wieselpfad angelegt werden – die kleinen Raubtiere nutzen die geschützten Routen, um Mäuse zu jagen, und sorgen so für eine natürliche Regulierung im Garten.

Der Rückschnitt ist zwischen Oktober und Februar erlaubt, ausserhalb dieses Zeitraums liegt die geschützte Brut- und Nistzeit der Vögel. Deshalb ist der Heckenrückschnitt eine der Arbeiten, die wir im Winter umsetzen – nicht nur im Heilpflanzengarten, sondern auch entlang unseres Laborgebäudes.

Nistkastenkontrolle

Unsere Nistkästen geben Vögeln, Fledermäusen und auch Hornissen einen wichtigen Rückzugs- und Brutraum, den sie sonst nicht finden würden. Deshalb haben unsere Gärtnerinnen und Gärtner im WALA Heilpflanzengarten und entlang unseres Biodiversitätspfads 50 Nistkästen angebracht. Einmal im Jahr werden sie untersucht, um zu dokumentieren, ob und von wem sie benutzt wurden. Ausserdem werden sie gereinigt, damit die tierischen Nachmieter wieder ein sauberes Plätzchen vorfinden.

Topferde herstellen

Eine Besonderheit unseres Heilpflanzengartens ist es, dass wir auf geschlossene Kreisläufe achten. Deshalb stellen unsere Gärtnerinnen und Gärtner die Topferde selbst her. Dazu werden Laub-, Jahres- und Pferdemistkompost mit Sand und Toresa kombiniert. Anschliessend wird die Mischung gesiebt, damit grobe Klumpen entfernt werden und die Erde später leichter zu verarbeiten ist. Die gröberen Stücke landen nicht im Abfall, sondern werden sinnvoll auf die Beete verteilt.

Was ist das – „Toresa“? Toresa ist aufgefasertes Nadelholz. Das Material hierfür stammt aus Europa. Es schaut wie Watte aus und dient bei uns als Torfersatz. Das Toresa wird drei Monate lang im WALA Heilpflanzengarten kompostiert und dient dann als Zuschlagsstoff für unsere Topferde. Würde man diesen Zeitraum nicht einhalten, wären nicht alle Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar. Nach der Kompostierung wird das Toresa mit verschiedenen Komposten unserer garteneigenen Anzuchterde hinzugefügt. Es sorgt dafür, dass unsere Topferde mehr Struktur erhält. Ohne Toresa wäre die Topferde zu fest und kompakt.

Vermehrung Beinwell-Wurzelschnittlinge

Eine weitere Gartenarbeit im Winter ist die Vermehrung von Heilpflanzen. Eine Form der Vermehrung geschieht über die Wurzelschnittlinge, wie hier abgebildet beim Beinwell (Symphytum officinale). Dazu werden die Wurzeln zunächst vorgeschnitten und anschliessend in die Erde gesetzt. Die Methode ist unkompliziert in der Pflege und die Pflanze treibt aus den Schnittstücken wieder zuverlässig aus.

Umtopfen

Auch das Umtopfen gehört zu den winterlichen Gartenarbeiten. Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) wird in unser reguläres Topfsubstrat gesetzt, das mit etwas Torf angemischt wurde. Der Blaue Eisenhut, so die Beobachtung unserer Heilpflanzengärtnerinnen und -gärtner, wächst wesentlich besser, wenn der pH-Wert für ihn passend eingestellt wird. Der Torf wird nicht extra eingekauft, sondern kommt von Pressrückständen aus unserer Produktherstellung. Er wird getrocknet und anschliessend gehäckselt, so dass unsere Heilpflanzengärtnerinnen und -gärtner ihn in das Substrat einmischen können.

Exkurs: Eine Pflanze im WALA Heilpflanzengarten, die ausschliesslich in Torf wächst, ist der Sonnentau. Sonnentau ist eine kleine heimische Moorpflanze.

Diese Heilpflanzen werden im Winter geerntet

Blauer Eisenhut

So schön und so giftig: Wer Kinder hat, verbannt dieses eindruckvollste der Hahnenfussgewächse aus seinem Garten und trauert ihm nach. Die …

Alraune

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Enzian

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Kamille

Bei Kamille werden bei einigen sicherlich ungute Erinnerungen an schlecht schmeckende Tees gutmeinender Mütter geweckt, die doch nur das Beste …

Weisser Germer

Der Weisse Germer ist eine imposante Erscheinung auf feuchten Wiesen gebirgiger Regionen. Er ähnelt dem Gelben Enzian in der Statur und in den …

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