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Tigerlilie

Synonyme: -
Wissenschaftlicher Name: Lilium lancifolium Thun.
Familie: Liliaceae (Liliengewächse)
Heimat: China, seltener in Japan und Korea zu finden.
Inhaltsstoffe: Saponine, Steroidalkaloide.

Beschreibung

Majestätisch prachtvoll möchte man sie nennen, die aufrechten Lilien, die unsere Gärten im Sommer mit ihren grossen Blüten zieren. Besonders auffällig und ein wenig exzentrisch schaut uns die Tigerlilie mit ihren orangefarbenen Blüten an, die mit dunkelroten Flecken geschmückt sind. Die von Juli bis August sich öffnenden Blüten klappen ihre Blütenblätter so weit nach hinten, dass Stempel und Staubbeutel wie nach aussen gebogen aussehen. Aus der stattlichen, im Durchmesser bis zu acht Zentimeter dicken Zwiebel wächst der bis zu 150 Zentimeter hohe, mit weissen, wolligen Haaren bedeckte Stängel, von dem lanzettförmige Blätter waagerecht abstehen. In den Blattachseln, dem Ansatzpunkt von Blatt zu Stängel, sitzen so genannte Bulbillen, dunkelbraune, erbsengrosse Brutknospen, aus denen heraus sich die Tigerlilie, die kaum Samen bildet, vegetativ vermehren kann. Auf die Erde gefallen, entwickeln die Bulbillen zuerst feine Wurzeln, dann ein erstes spitzes Blatt.

Verwendung

Die Tigerlilie findet Verwendung bei Gebärmuttersenkungen in den Wechseljahren sowie bei Entzündungen und Schmerzen der weiblichen Geschlechtsorgane.

Wissenswertes

Der wissenschaftliche Name der Tigerlilie setzt sich aus den griechischen Begriffen „liros“ = zart sowie „lancea“ und „folius“ = lazentlich, also lanzenförmig, zusammen, wobei „lancifolium“ sich auf die Form der Laubblätter bezieht.

Die chinesische Medizin schätzt die Tigerlilie bereits seit mehr als 2.000 Jahren. Im „Shen-nung-pents’ao-king“, einer Abhandlung über Arzneistoffe, die in der Han-Dynastie vor etwa 2.000 Jahren entstand, wurde sie als Arzneimittel gegen Husten und Lungenerkrankungen erwähnt. Diese wichtige medizinische Abhandlung soll sich auf das Wissen von Kaiser Shen-nung beziehen, eine sagenumwobene Gestalt, die vor 5.000 Jahren gelebt, den Menschen die Kunst des Ackerbaus beigebracht und in Selbstversuchen ein umfangreiches Wissen über Heilpflanzen erlangt haben soll. Shen-nung heisst übersetzt „göttlicher Bauer“. In den Westen gelangte die Tigerlilie erst im 19. Jahrhundert. Der US-Amerikaner William Payne (1845-1903) soll 1867 erstmals ausserhalb Asiens das homöopathische Bild der Tigerlilie beschrieben haben.

Wegen ihrer Zwiebel, die man in China als Gemüse isst, bauen die Chinesen die Tigerlilie bis heute als Feldkultur an. Der Geschmack der Zwiebel ist leicht bitter und erinnert an Pastinaken. Getrocknet und gemahlen eignet sich die sehr stärkehaltige Zwiebel zum Andicken von Suppen und Sossen. In ihrer Heimat ist die Tigerlilie zudem Symbolpflanze vieler Gottheiten.

Die Pflanze anders betrachtet

In der Tigerlilie ringen zwei Kräfte miteinander: das Lichte und das Schwere. Der Stängel wächst gerade dem Licht entgegen, wie ein wirbelnder Sternenkranz umgeben ihn die Blätter. Der vital nach oben strebende Stängel trägt eine Blüte, die den Kopf erdenschwer herabnicken lässt, als würde die Blüte die aufwärts treibende Kraft bremsen. Fast immer bleibt diese Blüte steril, die Bulbillen in den Blattachseln übernehmen an ihrer Stelle die Vermehrung. Die normalerweise den Blüten überlassene Fortpflanzung verlagert sich in den Blattbereich. Nur in ihrer Farbe und ihrer extremen Öffnung greifen die duftlosen Tigerlilien das Feurige der Blüten auf. Die in der Tigerlilie feurig intensiven, aber der Schwere unterliegenden Blütenprozesse normalisieren Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane.