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Anthroprosophische Medizin, Kindergesundheit

Von Wackelzähnen und Schulkindern

Einige Milchzähne wackeln, andere haben Lücken hinterlassen und an manchen Stellen sind bereits kleine Teile der neuen Zähne zu sehen. Die turbulente Zeit zwischen Milchzähnen und bleibendem Gebiss kann auch seelisch eine Herausforderung für Kinder und Eltern sein. Wir erläutern die Zusammenhänge und geben praktische Tipps, damit Sie als Familie leichter durch die Zeit des Zahnwechsels kommen!

Wenn die Zähne wackeln und die Emotionen Achterbahn fahren

„Als mein Sohn Jakob mit sechseinhalb Jahren seinen ersten Wackelzahn hatte, konnte ich wahrnehmen, dass seine Gefühle immer zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt hin und her schwankten. Einerseits war er keck, frech und herausfordernd, aber im nächsten Augenblick traf ihn eine kleine Rüge so stark, dass er weinend in sich zusammenfiel.“1 Was diese Mutter berichtet, können die meisten Eltern nachvollziehen. Mit ihren eigenen Kindern haben sie Ähnliches erlebt. Die Zeit der Wackelzähne ist auch eine Zeit der Gefühlsschwankungen. Aus Spielkindern werden Schulkinder. Ein neuer Lebensabschnitt kündigt sich an. Und das kann durchaus anstrengend für alle Beteiligten sein. Die körperliche Gestalt des Nachwuchses beginnt sich zu strecken. Das Rundliche, Weiche verabschiedet sich. Und auch innerlich tut sich Grundlegendes.

Bleibende Zähne und die Schulreife

Zwischen der individuellen Zahnentwicklung eines Kindes und seinem geistigen Entfaltungsprozess besteht ein enger Zusammenhang. Bei manchen Kindern erstreckt sich der Zahnwechsel über Jahre hinweg. Andere legen den Turbo ein und „erledigen“ diese Aufgabe innerhalb weniger Wochen. Das erste Gebiss des Menschen besteht aus 20 Milchzähnen, die gleichmässig ausgebildet sind. Kündigen sich im sechsten oder siebten Lebensjahr schliesslich die grossen Backenzähne an, beginnt eine neue Phase. Der Zahnwechsel ist eine Zeit höchster Individualisierung: Form und Stellung von bleibenden Zähne gestalten sich von Person zu Person verschieden. Zeitraum und Ablauf des persönlichen Zahnwechsels geben erste Hinweise auf den sich formenden Charakter. Auch das Aussehen der Zähne eröffnet Rückschlüsse auf die individuelle Wesensart eines Menschen. Leibliche und seelische Weiterentwicklung gehen Hand in Hand.

Literaturtipp für Eltern von Zahnwechsel-Nachwuchs

Spätestens wenn der erste Zahn wackelt, benötigt das werdende Schulkind viel Verständnis und Aufmerksamkeit – eine Zerreissprobe für Familien. Wer diesen Prozess optimal begleiten möchte, findet geballtes Fachwissen und einfühlsam erklärte Fallbeispiele im Grundlagenwerk „Wackeln die Zähne – wackelt die Seele“1. Die Waldorfpädagogin Monika Kiel-Hinrichsen und die Zahnärztin Renate Kviske bieten ratsuchenden Eltern konkrete Hilfestellungen mit Erziehungsratschlägen, Spielanleitungen und praktischen Tipps. Besonders hervorzuheben ist, dass kein Kind dem anderen gleicht und dass es deshalb kaum allgemeingültige Regeln für den Umgang mit dem aufgewühlten Zahnwechsel-Nachwuchs gibt. Wie es den Grundsätzen der anthroposophischen Medizin entspricht, betrachten die Autorinnen jedes Individuum als Einheit von Leib, Seele und Geist, das sich in seiner ganz persönlichen Lebenssituation zu behaupten hat. Vor diesem Hintergrund wird klar, wie wichtig eine individuelle Wahrnehmung und bei Bedarf (zahn-)medizinische Behandlung des Kindes sind.

Ein paar übergeordnete Anregungen, die wir Ihnen mit auf den Weg geben möchten. Picken Sie sich heraus, was zu Ihnen und zu Ihrem Kind passt.

  1. Eigene Gelassenheit. Stellen Sie sich gedanklich auf die bevorstehende Zeit des Zahnwechsels ein. Nehmen Sie Gefühlsausbrüche, Stimmungsschwankungen, fehlendes Benehmen und das häufig auftretende „Rumlümmeln“ Ihres Nachwuchses so locker wie möglich. Bleiben Sie achtsam für die Bedürfnisse Ihres Kindes und machen Sie individuelle Freizeitangebote wie Malen oder Musik, um emotionale Schieflagen zu lindern.

  2. Ausreichend Bewegung. Sobald werdende Schulkinder ihren Aktions- und Erlebnisradius erweitern und erste Gefühle der Unabhängigkeit entwickeln, erhöht sich meist auch ihr Bewegungsdrang. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich regelmässig „auspowern“ kann. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Mitgliedschaft im Sportverein, mit Familienradtouren oder einer Tanzgruppe?

  3. Ängsten und Schmerzen einfühlsam begegnen. Die Zeit des Zahnwechsels verläuft nicht linear. Mal muss ihr Kind rennen, mal will es herumliegen. Mal braucht es körperliche Zuwendung, dann möchte es sich abgrenzen dürfen. Der Übergang vom Klein- zum Schulkind kann Ängste auslösen. Ein festes Abendritual, ein kleines Nachtlicht und eine Wärmflasche für den wehen Bauch begegnen diesen Gefühlen auf sensible Weise, ohne sie unnötig zu dramatisieren.

  4. Zahnfee oder Schatzkiste. Einerseits ist es aufregend, die Milchzähne zu verlieren und eine neue Lebensphase zu beginnen. Andererseits kann unbekanntes Terrain auch verunsichern. Wenn es Ihrem Kind schwerfällt, einen Teil seiner selbst in Form des Wackelzahns herzugeben, kann unter Umständen die Zahnfee helfen: Platzieren Sie den ausgefallenen Milchzahn beim Einschlafen gemeinsam mit Ihrem Kind unter dem Kopfkissen. Bis zum anderen Morgen hat ihn die Zahnfee dann gegen eine kleine Überraschung ausgetauscht.

Wenn Ihr Kind eher zu den Sammlern gehört und sich von seinen Zähnen absolut nicht trennen möchte, könnten Sie es mit einer Schatzkiste versuchen. In ihr darf das Kind seine Zähne sammeln – auf Watte oder ein hübsches Stoffstück gebettet.

1Kiel-Hinrichsen, Monika, und Kviske, Renate: Wackeln die Zähne – wackelt die Seele. Der Zahnwechsel. Ein Handbuch für Eltern und Erziehende. Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH. Stuttgart: 2019, S. 11.

2Kiel-Hinrichsen, Monika, und Kviske, Renate: Wackeln die Zähne – wackelt die Seele. Der Zahnwechsel. Ein Handbuch für Eltern und Erziehende. Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH. Stuttgart: 2019.

3Kiel-Hinrichsen, Monika, und Kviske, Renate: Wackeln die Zähne – wackelt die Seele. Der Zahnwechsel. Ein Handbuch für Eltern und Erziehende. Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH. Stuttgart: 2019, S. 36.